Jobportrait: Au-pair
Nicht jed:r kann gut mit Kindern. Sind ja auch nicht ganz un-anstregend, die kleinen Menschen. Entweder wollen sie spielen, haben Hunger oder müssen Pipi, bzw. mussten, weil sie dir erst, nachdem sie in die Hose gemacht haben, Bescheid sagen. Wenn sie schon größer sind, wird’s auch nicht leichter. Die haben immer noch Hunger, gehen aber zumindest selber aufs Klo. Dafür müssen sie ständig irgendwo hingefahren werden oder haben Freund:innen zu Besuch.
Wenn du das alles mit einem liebevollen Nicken gelesen hast und dir denkst, ’aber die sind doch trotzdem voll süß’, magst du Kinder wahrscheinlich ziemlich gern und lässt dich auch von ihren Begleiterscheinungen nicht abschrecken. Perfekt! Der Job als Au-pair könnte dir richtig Spaß machen.
Was ist ein Au-pair?
Die Frage lässt sich leicht beantworten: privat:r Kinderbetreuer:in im Ausland. Konkreter: Für ein kleines Entgelt lebst du gemeinsam mit einer Familie unter einem Dach und kümmerst dich um die Kleinen und den Haushalt. Wie umfangreich das Ganze ist, hängt von den ausgehandelten Bedingungen ab. Natürlich hast du auch freie Zeit zur Verfügung, die du nutzen kannst, Land und Leute kennenzulernen.
Au-pairs gibt es überall auf der Welt. Wir hier in Deutschland kennen vorwiegend den englischsprachigen Raum als Au-pair-Destination. Aber auch in Russland, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Südafrika ist das Konzept bekannt und wird rege genutzt. Auch für dich gilt, geh, wo immer dein Herz dich hinzieht. Voraussetzung ist natürlich, dass du die Sprache einigermaßen gut sprichst. Immerhin übernimmst du viel Verantwortung mit den Gastkindern und solltest schon verstehen, was sie dir sagen.
Der Sinn eines Au-pair-Jahres ist es, in einem anderen Land zu leben. Menschen, Kultur und Gesellschaft hautnah mitzubekommen und deine Sprachkenntnisse zu verbessern. Es ist ein kleines Abenteuer und eine tolle Chance.
Welche Aufgaben hat ein Au-pair?
Dein Job ist in erster Linie das Kind bzw. die Kinder der Gastfamilie zu hüten. Das heißt, den größten Teil des Tages bist du mit ihnen beschäftigt. Deine Aufgaben orientieren sich am Alter der Kinder. Da kann dir alles geboten werden. Vom Baby bis zum Teenager. Auch was die Anzahl betrifft, ist alles möglich – vom Einzelkind bis hin zur Großfamilie. Natürlich wirst du darüber vorher informiert.
Deine Aufgaben können sein:
- Windeln wechseln
- Kinder waschen und anziehen (bei Jüngeren, Teenager eher nicht)
- Essen zubereiten für die Kinder
- Hausaufgaben beaufsichtigen
- Spielplatzbesuche
- vom Kindergarten oder der Schule abholen
- zu Spieldates chauffieren
- mit den Kindern spielen, spielen, spielen...
- Wäsche waschen
- Haushaltsaufgaben (Saugen, Spülmaschine, Wischen usw.)
- Kinderzimmer aufräumen
- Pausenbrote zubereiten
Falls es Haustiere gibt, fallen übrigens auch die in deinen Aufgabenbereich. Gassigehen oder Füttern musst du dann mit übernehmen.
Wie intensiv deine Mithilfe in der Familie sich gestaltet, liegt zum großen Teil an den Bedürfnissen deiner Gastfamilie. Das ist eine Frage von Absprache und Kommunikation. Am besten klärst du das schon vor dem Antritt deiner Reise mit den Gasteltern grob ab. Du solltest unbedingt auch darauf achten, dass du regelmäßig Freizeit hast. Die steht dir nämlich zu.
Wie wird man Au-pair?
In der Regel läuft alles über eine Vermittlungsagentur. Grundsätzlich könntest du auch auf diesen Service verzichten. Beispielweise, wenn du schon Connections zu einer Gastfamilie hast, oder jemanden kennst, der jemanden kennt. Allerdings musst du dich dann auch um alles selbst kümmern. Nicht nur die Flüge, auch Sachen wie Versicherungen, Visa und Ähnliches bleiben dann in deinem Verantwortungsbereich.
Der Vorteil bei Agenturen ist, dass sie sich einfach super in dem Metier auskennen und du im Problemfall immer eine:n kompetenten Ansprechparter:in hast. Wenn du erstmal weit weg von zu Hause auf dich selbst gestellt bist, ein recht beruhigender Gedanke.
Schau dir die Referenzen der Agentur im Internet gut an. Achte besonders auf negative Bewertungen. Die geben dir einen guten Hinweis, welche Probleme eventuell auftreten können.
Es gibt relativ viele Agenturen im Netz, die dir die Vermittlung einer Au-pair-Stelle anbieten. Nicht alle sind gleich gut. Auf folgende Punkte solltest du achtgeben, bei deiner Auswahl:
- Die Agentur informiert dich umfassend über alles, was mit dem Thema zu tun hat. Angefangen bei rechtlichen Aspekten, Versicherungen, Kultur des Gastlandes, Arbeitsvertrag, Sprachkursen, Vorbereitungskurse, Voraussetzungen.
- Du erhältst Vorbereitungskurse, die dich auf die Reise vorbereiten, und Infomaterial zum Land und dem Aufenthalt
- Sie unterstützen dich bei der Erledigung der notwendigen Formalitäten, zum Beispiel bei der Beantragung deines Visums.
- Du kannst dir eine Gastfamilie aussuchen und schon vor deinem Reiseantritt mit ihr in Kontakt treten.
- Die Agentur hilft dir bei Problemen vor Ort, zum Beispiel dem Wechsel der Gastfamilie.
- Sie bieten dir entweder selbst einen Sprachkurs an oder helfen dir, einen passenden zu finden.
- Ein Impressum auf der Homepage, damit du weißt, mit wem du es zu tun hast.
Achte bei deiner Auswahl auf das RAL-Gütezeichen. Dieses wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nach bestimmten Qualitätsstandards vergeben. Auf der Seite des Ministeriums findest du zertifizierte Agenturen.
Du kannst dich natürlich auch mit verschiedenen Anbietern in Verbindung setzen und schauen, welche am besten zu deiner Vorstellung passen. Achte darauf, dass der Vertrag alle Punkte enthält, die dir wichtig sind!
Welche Voraussetzungen gibt es als Au-pair?
Es gibt ein paar Dinge, die du beachten musst. Allerdings verändern sich die Voraussetzungen von Land zu Land. Je nachdem, ob du in die USA möchtest oder vielleicht innerhalb der EU bleiben willst, gibt es erhebliche Unterschiede. Hier solltest du dich unbedingt vorher informieren. Folgende Punkte gelten für die meisten Destinationen:
- du solltest zwischen 18 (in der EU 17) und 30 Jahren alt sein, in den USA 26 Jahre
- gute Sprachkenntnisse in der jeweiligen Landessprache haben
- Unverheiratet,
- Kinderlos und
- Gesund sein
- einen Führerschein mit Fahrerfahrung vorweisen können
- Makelloses Führungszeugnis besitzen
- Erfahrung mit Kindern haben
- ein finanzielles Polster besitzen, um die Reisekosten und die Agentur zu bezahlen
Da die Vermittlung einer Stelle in aller Regel über eine Agentur läuft, solltest du dich direkt bei dieser nach den Voraussetzungen erkundigen, da es hier wirklich gravierende Unterschiede gibt. Beispielsweise benötigtst du in vielen Ländern ein Sprachzertifikat als Nachweis deiner Kenntnisse. Destinationen, wie zum Beispiel Frankreich, sind ziemlich heftig in ihren Ansprüchen. Für unser Nachbarland brauchst du entweder ein fertiges Abi oder du bist bereits im Studium – ansonsten bekommst du keine Stelle.
Für die USA musst du Erfahrung in der Kinderbetreuung von mindestens 500 Stunden in den letzten 2 Jahren vorweisen. Außerdem verlangt die US-Regierung, dass du einen Vertrag mit einer anerkannten amerikanischen Au-pair-Agentur vorweisen kannst. Nur so erhältst du das nötige J-1 Visum. In anderen Ländern erhältst du ein sogenanntes ’Working Holiday Visum’. In den Mitgliedstaaten der EU reicht in der Regel dein Reisepass, wenn du die deutsche Staatsbürgerschaft hast. Für all diese Informationen hast du eine Agentur.
Was kostet ein Jahr als Au-pair
Eine weitere Voraussetzung ist, dass du das nötige Kleingeld parat hast. Mit der Beauftragung der Vermittlungs-Agentur nimmst du eine Dienstleistung in Anspruch, die bezahlt werden will. Dein Flug und das Visum kosten ebenfalls Geld. Insgesamt können so mehrere Tausend Euro zusammenkommen. Im Schnitt solltest du mindestens 3.500 Euro auf dem Konto haben, bevor du starten kannst. Die Kosten sind insgesamt abhängig von:
- deinem Gastland
- der Agenturgebühr
- Luftfahrgesellschaft/Flugticket
- die Visum-Gebühr
- der Gastfamilie
- Krankenversicherung
- eventuell Reiseunfall- sowie Haftpflichtversicherung
- deinem Konsumverhalten
Du kannst dich erkundigen, ob deine Gastfamilie dich bei den Reisekosten oder der Krankenversicherung unterstützen mag. In Ländern wie den USA oder China ist das durchaus üblich.
Welche Versicherungen braucht ein Au-pair?
Die Krankenversicherung ist ein sehr wichtiger Faktor bei deiner Planung. Bleibst du innerhalb der EU und bist selbst Staatsbürger:inn eines EU-Landes, empfiehlt sich die Europäische Krankenversicherungskarte. Ist dein Ziel außerhalb Europas, wird es etwas komplizierter. In manchen Ländern muss sich das Au-Pair im nationalen Krankenversicherungssystem anmelden. In anderen wieder wird der Nachweis einer privaten Krankenversicherung verlangt.
Sehr unterschiedlich wird auch die Finanzierung gehandhabt. Je nachdem wo du bist, kann es sein, dass die Kosten von dir oder den Gasteltern getragen werden müssen. Nicht zu vernachlässigen sind auch Haftpflicht bzw. Unfallversicherungen, wenn du beispielsweise ein Fahrzeugt führen willst. Ansonsten kannst du dich schnell für dein Leben verschulden, falls du einen Unfall baust.
Freizeit-Kosten
Nicht vergessen solltest du, dass auch vor Ort Kosten auf dich zukommen. Du erhältst zwar ein kleines Taschengeld und hast Kost und Logis frei, aber wenn du shoppen gehen willst oder fette Ausflüge planst, musst du das selber bezahlen. Selbst wenn du kein Konsum-Mensch bist, irgendwas brauchst du immer: Tampons, Eis, Schokolade oder neue Socken. Besser also, du startest dein Auslandsjahr nicht vollkommen verarmt. Das macht dann auch keinen Spaß.
Wie viel verdient ein Au-pair?
Für deine Mithilfe im Haushalt und die Kinderbetreuung bekommst du monatlich oder wöchentlich Taschengeld. Auch das ist wieder abhängig vom Gastland, den Gasteltern und dem geschlossenen Vertrag. Es gibt aber eigentlich überall festgelegte Regelungen. Willkürlich läuft da zum Glück gar nichts.
In Deutschland würde ein Au-pair beispielsweise 280 Euro erhalten. Plus 70 Euro für einen Sprachkurs. In den EU-Ländern kannst du mit 300 – 500 Euro pro Monat rechnen. Die skandinavischen Staaten geben etwas mehr als der Rest, sind aber auch in den Kosten allgemein höher. Im sehr fernen Ausland wie Neuseeland, Australien oder den USA ist das Taschengeld deutlich höher. Das liegt vor allem daran, dass du dort mehr arbeiten musst.
Denn für alle Au-pairs gibt es eine Landes-abhängige Höchststundenzahl, die pro Woche nicht überschritten werden darf. In Europa sind das zwischen 25 und 30 Stunden. In den USA sind bis zu 45 Stunden erlaubt, was echt brutal viel ist. Dafür kannst du dann aber auch bis zu 800 USD Taschengeld erhalten.
Du hast Anspruch auf Urlaub! Der sollte in deinem Vertrag aufgeführt und festgelegt sein. Wie viele Tage das sind und wann du ihn nehmen kannst, musst du vertraglich aushandeln. Auch hier gibt es feste Regeln für einzelne Länder.
Warum als Au-pair ins Ausland gehen?
Neben deinen verbesserten Sprachskills, kann dir ein Jahr woanders so viel mehr bringen! Du lernst viele neue Menschen kennen, wirst eigene Fähigkeiten entdecken und dich persönlich weiterentwickeln. Auch als Teil einer Gastfamilie wirst du trotzdem viel Selbstständigkeit lernen. Es ist wie ein neues Lebensgefühl. Du übernimmst Verantwortung und lernst gleichzeitig ein ganz neues Gefühl von Freiheit kennen.
Wenn du direkt nach der Schule startest, hilft dir das enorm beim Abnabeln von deinem zu Hause - dennoch hast du Familienanschluss und bist nicht allein. Überhaupt wirst du nen Wahnsinns-Sprung hinlegen, wenn es um dein Selbstbewusstsein geht. Es erfordert nämlich einiges an Mut, sich allein in die große Welt aufzumachen. Aber es lohnt sich. Es ist eine einmalige Chance, die Welt ein Stückchen besser kennenzulernen. Andere Kulturen zu erfahren, öffnet auch die eigene Perspektive auf das Leben in Deutschland und auf dich selbst.
(Bundesagentur für Arbeit/Au-pair.com/Au-pairWorld/CHHI)